Mit rechten Dingen

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Kein Buhmann

Zur Frage, was ein Fraktionsvorsitzender zu tun hat wenn jemand hinter seinem Rücken besticht

Nicht bestechlich, nicht korrupt: Herbert Wehner

Wikipediakorrektur Nr. 21 folgt direkt auf den ersten Absatz im Kapitel zur sozialliberalen Koalition.

Dann geht es um Herbert Wehners Rolle beim Scheitern des Misstrauensvotums gegen Kanzler Willy Brandt 1972. Bei Wikipedia heißt es, „Wehner selbst gab (…) zu, dass dieser Erfolg nicht rechtmäßig zustande gekommen war (…)“[1] Diese Formulierung legt zumindest nahe, es wäre hier Wehner irgendein Fehlverhalten zuzurechnen. Dazu hat er selbst vor einem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss 1973 offiziell ausgesagt, „daß ich davon ausgehe, daß weder ich noch jemand, der unter meiner Verantwortung als Fraktionsvorsitzender handelte oder zu handeln meinte, den Versuch gemacht hat, Abgeordnete zu kaufen oder abzuwerben. Das heißt, das bedeutet auch, nicht einen unserer eigenen Abgeordneten an einer Abstimmung zu hindern oder ihn, auf eine bestimmte Art abzustimmen, festzulegen.“ Und weiter im Text:

„Auf mich kann sich niemand berufen, wenn es sich um Vollmachten zur Auszahlung von Geldbeträgen, in welcher Höhe immer, handelt. Wenn jemand dieses getan haben sollte, so wäre das ein Vertrauensbruch und müßte von mir, wenn sich das hinter meinem Rücken abgespielt haben sollte, dadurch beantwortet werden, daß ich mein Amt, d.h. meine Pflichten und Aufgaben als Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion zurückgegeben hätte oder zurückgeben würde in die Hände der Fraktion.“[2]

Herbert Wehner sagte also klipp und klar: Er wusste nichts von Bestechungen seitens der SPD-Fraktion und hat schon gar keine veranlasst. Interessant an dem eben zitierten Protokoll ist vielmehr – und darauf bezog er sich im Fernsehinterview mit der „besonderen Seite unserer Demokratie“ von 1979/80, welches Wikipedia aus zweiter Hand zitiert – dass er damit vor allem die Versuche der Union meinte, SPD-Abgeordnete zu bestechen. Aber dies wird ja gerne heruntergespielt, und der Mythos vom Buhmann Wehner dient wieder einmal dazu, dass andere ihre Missetaten dahinter verstecken können.

Wikipedia wäre also hier vorzuschlagen, die mit „Wehner selbst gab in einem Fernsehinterview 1980 zu (…)“ beginnende Passage zu ersetzen durch das letzte Zitat, am besten versehen mit dem Vorsatz „Wehner selbst sagte zu den genaueren Umständen: (…)“.

[1]             Wikipedia: Herbert Wehner, abgerufen am 30.5.2019.

[2]             Herbert-Wehner-Archiv im Archiv der sozialen Demokratie, Bonn. Nr. 1605. Auszug aus dem Protokoll der 13. Sitzung des Untersuchungsausschusses zum Fall Steiner (undatiert, 20.7.1973), vgl. die zusammenhängende Darstellung dazu in Meyer, Christoph (2006): Herbert Wehner. Biographie. 4. Aufl. München: dtv, S. 382f.

Fehler über Fehler!

Der Wikipedia-Eintrag zu Herbert Wehner ist mit zahllosen sachlichen sowie inhaltlichen Fehlern und Einseitigkeiten durchsetzt. Da Lamentieren nichts hilft, veröffentlicht die Herbert-und-Greta-Wehner-Stiftung auf ihrer Seite nach und nach Korrekturen und Einschätzungen.

Der aktuelle Stand der Wikipediakorrekturen zum Download als pdf hier. Weitere Korrekturen und Einschätzungen folgen.

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