Weihnachtskur für Wehner-Volvo

Weihnachtskur für Wehner-Volvo

Letztes Auto von Herbert Wehner noch gut in Schuss

Wehner-Volvo runderneuert, Dezember 2025 mit Fahrer Christoph Meyer

Seit 1999 läuft er in Dresden, seit 2003 für die Herbert-und-Greta-Wehner-Stiftung: der letzte Volvo, der noch auf Herbert Wehner (1906-1990) zugelassen war. Der Oldtimer, den die Stiftung zu besonderen Anlässen auch gern präsentiert, ist jetzt generalüberholt worden. „Fährt weiter wunderbar“, so Stiftungsvorstand Christoph Meyer zur Winter- und Weihnachtskur für den Wehner-Volvo.

Da hat sich der Werkstattbesuch gelohnt – in mehrfacher Hinsicht. Mit den Jahren war dann doch einiges zusammengekommen: Der undichte Kofferraum abgedichtet, Lack und Rostschutz aufgetragen, der Rahmen der Windschutzscheibe musste ausgebessert werden, die Ölwanne wurde aus- und eingebaut und neu abgedichtet und das stark verschmutzte Ölsieb gereinigt. Das Getriebe musste ebenfalls aus- und eingebaut und sein Gehäuse abgedichtet werden. Eine neue Kupplung hat der Wagen bekommen, diverse Unterbodenteile wurden entrostet und versiegelt. Schließlich wurde eine neue Antenne fürs Radio eingebaut und die Zierleiste des Kofferraumdeckels neu befestigt. Vier neue Zierkappen für die Räder waren außerdem fällig. „Alles fest, alles dicht!“, so lautet Meyers Fazit der Arbeiten, und: „Das hält jetzt ein paar Jahre“, ist sich der Historiker sicher, „im März kommen wir bestimmt gut ‚über’n TÜV.“

Schick, mit neuen Radkappen

Über 240.000 Kilometer ist der blassgelbe Wagen gelaufen, Oldtimer-Experten sagen, so ein Volvo 240 GL werde erst ab 250.000 richtig gut. Und die Technik war ja gut in Schuss, Probleme beim Fahren gab es keine, jetzt kann es also getrost auf die Viertelmillion zugehen. „Viele Kilometer fahren wir allerdings nicht“, meint Christoph Meyer, „bei über 10 Litern Superverbrauch je 100 Kilometer sind ‚Batterieerhaltungsfahrten‘ schon teuer und unökologisch genug.“ Aber ab und an lässt sich der Wagen mal in Dresdens Stadtbild sehen, beispielweise zu Herbert Wehners Geburtstag, wenn es wieder auf Tour durch dessen Heimatstadtteil Striesen geht. Da ist der Volvo gerne einmal in der Nähe des Herbert-Wehner-Denkmals an der Spenerstraße zu sehen.

Alles wieder fest, alles dicht!

1983 war er gebaut worden, der Volvo 240 GL vom Typ P244. Greta Wehner fuhr den Wagen bis Mitte der Neunzigerjahre, mit Herbert auf dem Beifahrersitz, durch Bonn und Westdeutschland, aber auch nach Schweden zum Haus der Wehners auf Öland. Und einmal, 1986, kam der Wagen sogar in die DDR und nach Dresden, sozusagen der Abschiedsbesuch von Herbert Wehner – der langjährige SPD-Fraktionsvorsitzende starb im Januar 1990. In den Jahren danach kam Greta immer wieder in den Osten und nach Sachsen mit dem Wagen. Christoph Meyer hat in seinem Buch „Greta Wehner. Eine Frau tritt aus dem Schatten“ über die Fahrten berichtet.

Medieninteresse: Der Volvo in Leipzig – links im Bild OB Wolfgang Tiefensee, daneben SPD-Landesvorsitzende Constanze Krehl, an der Fahrertür Ottmar Schreiner und Christoph Meyer

Dann übernahm der Gründungsgeschäftsführer des Herbert-Wehner-Bildungswerks, Klaus Reiners, langjähriger SPD-Mitarbeiter den Wagen von Greta, die lieber etwas Kleineres fahren wollte. Nach einer bewegten Zeit landete der Volvo in der Kellergarage des Erich-Ollenhauer-Hauses, dem Sitz des SPD-Parteivorstands in Bonn. Der zog Ende der Neunzigerjahre nach Berlin um, und da war die Frage, was wird mit dem alten Auto? Das Haus der Geschichte, fest in Kohl’scher Tradition, lehnte die Übernahme als Museumsstück ab, und so erklärte sich der damalige Geschäftsführer des Herbert-Wehner-Bildungswerks, Christoph Meyer, bereit, den Wagen erst einmal zu übernehmen. Im Juli 1999 führte also der wieder instandgesetzte Wagen die Umzugskarawane Richtung Osten an, die ersten hundert Meter mit Kanzler und SPD-Chef Gerhard Schröder am Steuer. Es ging über die A4, über die historischen Stätten der Sozialdemokratie: Eisenach, Gotha, Erfurt, Weimar. Dann ein Abzweig nach Norden, nach Leipzig. Dort übergab SPD-Bundesgeschäftsführer Ottmar Schreiner den Volvo an Christoph Meyer, der fuhr den Wagen weiter nach Dresden. Die erste Fahrt brachte zwei Erkenntnisse: Das Auto lief noch gut, die Wiederinbetriebnahme lohnte sich – und die Medien zeigten Interesse, die Ankunft in Dresden lief im Dresden-Fernsehen. Also wurde der Wagen angemeldet, seit 1999 trägt der Wagen das Kennzeichen DD-WG 75 (zuletzt noch mit dem Zusatz „H“ für Oldtimer).

2005: Der Volvo trifft an Herberts 99. Geburtstag vor dem Bildungswerk in der Kamenzer Straße ein. V.l.n.r.: Hans-Jochen Vogel, Karin Pritzel, Greta Wehner, am Kofferraum Christoph Meyer

Die Nummer ergibt sich aus den Initialen von Greta Wehner („GW“ ließ die Zulassungsstelle damals nicht zu) und dem Alter, das Greta im Jahr 1999 erreichte (das Geburtsjahr „24“ war leider ebenfalls nicht zu haben). So wurde es eben passend zu ihrem Geburtstag im Herbst. Ein besonderer Anlass in jedem Fall, denn zu dieser Zeit wurden runde Geburtstage von Greta – und bei Herbert nicht nur die runden – in Dresden noch recht groß gefeiert, an diesem Tag mit über 100 Gästen und Prominenz (darunter die ehemaligen Bundesminister Hans-Jochen Vogel und Jürgen Schmude, der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Struck und Bundesministerin Christine Bergmann) im Volkshaus der Gewerkschaften.

Einen besonderen Clou meinte Christoph Meyer bringen zu können, indem er den Freundeskreissprecher Hans-Jochen Vogel zum Geburtstagsessen persönlich mit dem Volvo vom Flughafen abholte – ein Fernsehteam wollte das filmen, doch dieses Unternehmen scheiterte, etwas peinlich – das ist aber eine andere Geschichte und ein andermal schon erzählt worden (zu dieser Geschichte: hier).

1980er Jahre: Greta am Steuer – Der Volvo mit Herbert Wehner auf Öland

Nun, er ist noch einige Jahre in Dresden gelaufen, auch noch in Skandinavien zwei- oder dreimal mit Greta gewesen, doch ein Ruhestand für den Oldtimer ist nicht in Sicht. „Mein Traum ist ja, dass der Wagen eines Tages hinter einem Dresdner Schaufenster publikumswirksam von der besonderen deutsch-deutschen Geschichte der Wehners zeugen kann“, meint Christoph Meyer, „doch wenn das Wirklichkeit werden soll, müsste einiges passieren, vor allem finanziell“. Das Wehner-Denkmal in der Spenerstraße ist zwar einer der Orte der Demokratiegeschichte in Deutschland, zusammen mit der historischen Wohnung von Greta Wehner in Dresden Leubnitz-Neuostra, doch für eine wirksame öffentliche Präsentation ist das alles zu abgelegen. Meyer abschließend: „Um daran etwas zu ändern, braucht es einen erheblichen finanziellen Anschub, und dafür sind derzeit weder Spender noch öffentliche Geldgeber in Sicht. Hoffen und träumen ist aber weiter erlaubt.“

 

 

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